WAS HAT EIN BEKENNENDER SCHOTTE WIE HARROWER MIT ARTHUR SCHNITZLER AM HUT? »MESSER IN HENNEN«, DAS ERSTE SEINER WELTWEIT ERFOLGREICHEN STÜCKE, IST GUTER BRITISCHER LANDLEUTE-REALISMUS. »BLACKBIRD«, SEIN LETZTES, 2008 IN EINER INSZENIERUNG VON CATE BLANCHETT ZU GAST BEI DEN RUHRFESTSPIELEN, GIBT DA SCHON EINEN DEUTLICHEN HINWEIS: MENSCHEN IN VERHÄNGNISVOLLER VERSTRICKUNG.
Die Weiber haben nicht interessant zu sein, sondern angenehm. Erholen! Das ist der Sinn. Zum Erholen sind sie da.“ Nach diesem Motto pflegen Theodor und Fritz mit ihren süßen Mädeln in entspannter High Society-Atmosphäre Small Talk und anderes. Theodor liebäugelt mit Mizi und hat Freund Fritz, um ihn von einem schwerblütigen Verhältnis mit einer verheirateten Dame der feinen Gesellschaft abzulenken, Christine zugeführt. Eine oberflächliche Liebelei zu viert also. Carpe diem – nur der Augenblick zählt. Freilich nicht für Christine. In diese Idylle platzt die Duell-Forderung des betrogenen Ehemannes. Fritz stellt sich. David Harrower hat Schnitzlers schwarz umflorte Fin-de-siècle-Romanze neu gefasst. Und es erweist sich, dass das feine, akribisch beobachtete Seelengeflecht der Schnitzler’schen Junge-Leute-Studie sehr wohl in angelsächsische Middleclass-Verhältnisse zu übertragen ist. Auch für die Sprache findet der Schotte adäquate Töne. Luc Bondy, Meisterregisseur subtiler zwischenmenschlicher Beziehungen, inszeniert in einem Raum von Karl-Ernst Herrmann in englischer Sprache. Das Young Vic London, die Wiener Festwochen und die Ruhrfestspiele kooperieren. Wir dürfen großes Theater erwarten!